Geschichte der STACHELSCHWEINE

Das älteste Kabarett Berlins.

Die STACHELSCHWEINE sind das älteste Kabarett Berlins. Ihren ersten Auftritt hatte das Ensemble um Gründer und Autor Rolf Ulrich am 30. Oktober 1949 im Jazz-Keller „Badewanne“ in der Nürnberger Strasse nahe des Kurfürstendamms. In ihrem ersten Programm „Alles irsinnig komisch“ spielten sie zunächst nur in den Musikpausen, in denen nicht getanzt wurde. Der Name „Stachelschweine“ war angelehnt an eine satirische Zeitschrift der 20er Jahre, die vom Schriftsteller und Kabarettisten Hans Reimann herausgegeben wurde. Viele berühmte Kabarettisten und Schauspieler haben dem Ensemble angehört. Neben den Mitbegründern Rolf Ulrich und Alexander Welbat waren dies Günter Pfitzmann, Inge Wolfberg, Wolfgang Gruner, Jo Herbst, Ingeborg Wellmann, Edith Hancke, Achim Strietzel, Wolfgang Neuss, Beate Hasenau, Ingrid van Bergen, Andrea Brix, Joachim Röcker, Jochen Schröder, Wilfried Herbst, Sylvester, Berger,Wolfgang Bahro und viele andere.

Die ersten Spielorte befanden sich stets in den Seitenstraßen des Tauentziens (Badewanne, Burgkeller, Ewige Lampe, Nürnberger Trichter) bis 1965 der Umzug in das Europa Center erfolgte, dessen erster Mieter die STACHELSCHWEINE waren. Die erste Premiere im Keller des Europa Centers erfolgte am 9. Juni 1965 mit dem Programm „… und nach 20 Jahren war alles vorbei“.

In diesem, wie auch in vielen Programmen zuvor war die textliche Ausrichtung auf die Entwicklung der jungen Bundesrepublik und das Wiedererstarken ehemaliger Nazis in Politik und Verwaltung fokussiert. Dies blieb bis zum Mauerfall 1989 der textliche Kompass der STACHELSCHWEINE.

Bundesweite Bekanntheit erlangten die STACHELSCHWEINE durch zahlreiche Tourneen und TV-Sendungen. So traten sie in den 60er Jahren gemeinsam mit der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ um Dieter Hildebrandt bei den jährlichen Auftaktsendungen der „Fernsehlotterie“ auf. Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Sendung „Schimpf vor zwölf“, ein satirischer Jahresrückblick, den die STACHELSCHWEINE ebenfalls zusammen mit den Münchenern gestalteten. Diese Sendung besaß absoluten Kultstatus und erreichte bis zu 70 Prozent aller deutschen Fernsehzuschauer. Vielen Zuschauern sind auch die Auftritte von Wolfgang Gruner in der ZDF-Sendung „Der große Preis“ in Erinnerung geblieben.

Die STACHELSCHWEINE waren auch das erste deutsche Künstlerensemble, das 1970 nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland eine dreiwöchige Tournee (Haifa, Jerusalem, Tel Aviv) unternahm, unterstützt vom Berliner Senat unter Bürgermeister Klaus Schütz.

Die STACHELSCHWEINE bei Ben Gurion 1970 im Kibuzz Sde Boker. Foto: Privatarchiv Wilfried Herbst

1985 und 1987 folgten Gastspiele in New York und Los Angeles.

Nach dem Tod des Gründers und Texters Rolf Ulrich (2005) als auch Wolfgang Gruner (2002) wurde es ruhiger um das Ensemble.

Im Sommer 2019 übernahm der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke (Dt. Kleinkunstpreis, Dt. Kabarettpreis) und seine Frau Caroline Lüdecke (Kulturmanagerin) die STACHELSCHWEINE. Es war Ihnen ein Anliegen dieses Juwel der alten (West-) Berliner Kultur am Leben zu erhalten. Mit ausschließlich privatem Kapital wurden in Zusammenarbeit mit dem „Designstudio Werner Aisslinger“ („Bikini-Haus“, „Hotel 25-Hours“, „Monkey-Bar“) das Foyer neugestaltet und noch eine zusätzliche kleine Bühne installiert. Dazu erfolgte später mithilfe der „Lotto-Stiftung“ eine komplette Neurenovierung des Saals. Inzwischen sind am Hause neun Schauspieler und Schauspielerinnen beschäftigt. Auf dem Spielplan stehen in der Regel vier wechselnde Programme. Sie zeichnen sich durch hohe Aktualität, Musikalität und Schauspielkunst aus. Die Kritiker sind begeistert und die Zuschauer haben wieder den Weg in diese bedeutende Berliner Kultureinrichtung gefunden.